Die Top 5 Wasserdörfer Chinas

Reisetipp des Monats: Die Top 5 Wasserdörfer Chinas

Im Einzugsgebiet des Yangtze-Deltas, rund um die Gegend von Shanghai, Jiangsu und Zhejiang, finden sich viele traditionelle Orte abseits der großen Touristenpfade – Chinas Wasserdörfer. Die mittelalterlichen Städtchen strahlen einen ganz besonderen Charme aus und lassen das ursprüngliche China aufleben. Lassen Sie sich von unserem Reisetipp im Januar inspirieren und entdecken Sie die bezaubernden Wasserdörfer Chinas!

Zhujiajiao – Wasserdorf mit Filmgeschichte

Wer in Shanghai einmal eine Auszeit vom ständigen Trubel der Großstadt sucht, sollte eines der Wasserdörfer in der Umgebung besuchen. Das kleine Wasserdorf Zhujiajiao 朱家角 befindet sich im Außenbezirk Qingpu von Shanghai. Es liegt nur 50 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und gilt als das „Venedig Shanghais“. Die Geschichte des Dorfes reicht über 1.700 Jahre in die Vergangenheit und geht zurück auf die Familie Zhu 朱, die einst hier siedelte und dem Dorf ihren Namen gab. Durch ihre günstige Lage nahe der „Seidenhauptstadt“ Suzhou, wurde sie ab dem 16. Jahrhundert zu einem Zentrum für den Seidenhandel.

Eines der ältesten Wasserdörfer Chinas: Zhujiajiao
Eines der ältesten Wasserdörfer Chinas: Zhujiajiao

Das historische Zentrum von Zhujiajiao wurde auf einer Landzunge zwischen den Flüssen Dianpu He 淀浦河 und Cao He 漕河 errichtet, die über Jahrhunderte zum Transport von Handelsgütern dienten. Später folgten viele weitere künstlich angelegte Nebenkanäle, die das Stadtbild noch heute prägen. Die Kanäle sind gesäumt von chinesischen Reihenhäusern aus dem 16. Jahrhundert, die ursprünglich von der bürgerlichen Mittelschicht erbaut wurden und noch heute intakt sind. Erkennbar an ihren weiß getünchten Wänden mit traditionell geschnitzten Holzfenstern und -türen und grauen Ziegeldächern bieten sie eine fast surreale Kulisse. Die insgesamt 36 elegant geschwungenen steinernen Brücken, die das gesamte Kanalnetz durchziehen, tragen ihr übriges zum idyllischen Wasserdorf bei.

Historische Kulisse in Zhujiajiao
Historische Kulisse in Zhujiajiao

Zu den Hauptattraktionen von Zhujiajiao zählen neben der Gedenkhalle für den kaiserlichen Minister Wang Chang und dem „Teehaus auf dem Wasser“ vor allem die Fangsheng-Brücke 放生桥. Es handelt sich dabei um eine 72 Meter lange steinerne Fünf-Bogen-Brücke aus dem Jahr 1571 der Ming-Dynastie. Aufgrund seiner einzigartigen Schönheit und besonderen Atmosphäre war Zhujiajiao bereits Drehort zahlreicher in- und ausländischer Filme.

Das historischste der Wasserdörfer Chinas: Wuzhen

Neben grünem Tee und Seide hat die malerische Umgebung der Stadt Hangzhou noch mehr zu bieten. Etwa 80 Kilometer nordöstlich von Hangzhou befindet sich das verträumte Wasserdorf Wuzhen 乌镇. Es blickt bereits auf eine über 1.300-jährige Geschichte zurück und bietet Einblicke in die ursprüngliche Architektur und das Leben Chinas.

Das Wasserdorf Wuzhen
Das Wasserdorf Wuzhen

Das Wasserdorf ist in zwei Bereiche, den Dongzha- (Osten) und den Xizha-Bezirk, (Westen) aufgeteilt. Wuzhen wurde in den 1990er Jahren aufwendig restauriert und als Freilichtmuseum ausgebaut. Das Wasserdorf steht auf Inseln, die durch Kanäle voneinander getrennt sind und über viele alte Brücken und Boote zugänglich sind. Die alten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind im Baustil der ausgehenden Qing-Dynastie gehalten. Durch die dunklen Torbögen und Häuser macht das Dorf zunächst einen etwas düsteren Eindruck. Dies trägt aber im Gegenteil eher zu der besonderen Atmosphäre bei, für die Wuzhen bekannt ist. Von den rund 12.000 Einwohnern Wuzhens leben etwa 600 Menschen im Museumsdorf. Im Zentrum des Wasserdorfs gibt es zahlreiche Teehäuser, Garküchen, Keramik-Werkstätten und Ladenzeilen mit traditioneller chinesischer Handwerkskunst.

Das gesamte Dorf besteht aus einem Labyrinth aus traditionellen Hutongs, gesäumt von antiken chinesischen Holzbauten, zahlreichen Brücken und Wasserwegen sowie grünen Parks und kleinen Hinterhöfen. Bei einer abendlichen Fahrt auf dem Fluss, die durch die ein oder andere steinerne Bogenbrücke führt, kann man der einzigartigen Atmosphäre des ursprünglichen Wuzhen nachspüren und den Tag in Ruhe ausklingen lassen.

Abendliches Wasserdorf Wuzhen
Wuzhen bei abendlicher Dämmerung

Idyllisches Luzhi

Das nur 18 Kilometer von Suzhou entfernte Wasserdorf Luzhi 甪直 ist eins der kleineren Wasserdörfer Chinas. Die Altstadt von Luzhi gehört zu den am besten erhaltenen in ganz China. Den besonderen Reiz des beschaulichen kleinen Ortes machen die vielen von Weiden behangenen Kanäle und die über 40 antiken Brücken aus. Einige dieser Brücken sind bereits während der Song-Dynastie (960-1279) erbaut worden. Man sagt, der Gang durch die Altstadt von Luzhi kommt einem Gang durch die chinesische Geschichte gleich.

Zu den Sehenswürdigkeiten Luzhis zählen unter anderem der Baosheng-Tempel 保圣寺 mit einer über 1.500 Jahre alten Geschichte sowie das Denkmal des Lu Guimeng am Guangming-Pavillon. Der tangzeitliche Dichter und Gelehrte gab dem Ort einst seinen Namen. Zu Lebzeiten pflanzte er zwei Ginkgobäume in Luzhi, die heute schon über 1.000 Jahre alt sind und die man in der Nähe des Denkmals bewundern kann.

Xitang – Wasserdorf der 100 Brücken

Das Wasserdorf Xitang 西塘 befindet sich zwischen den drei großen Städten Hangzhou, Suzhou und Shanghai in der Provinz Zhejiang. Es zählt zu den größeren Wasserdörfern in China und wird durch insgesamt neun Wasserstraßen geteilt. Über diese verlaufen insgesamt mehr als 100 alte Brücken aus Holz oder Stein. Xitang entzückt durch seine Ursprünglichkeit und das einfache Leben der hier lebenden Menschen, das man hier noch authentisch erleben kann.

Rundbogenbrücke im Wasserdorf Xitang
Rundbogenbrücke im Wasserdorf Xitang

Die Geschichte der Stadt lässt sich bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen. Auch die traditionellen Gebäude datieren weit zurück bis in die Ming- und Qing-Dynastie. Der gesamte Ort ist von schmalen Hutongs mit altem Kopfsteinpflaster durchzogen. Hier kann man in aller Ruhe die entlegenen Winkel der historischen Altstadt erkunden. Die bekannteste Gasse in Xitang ist die sogenannte Shipi-Gasse 石皮弄, die etwa 300 Jahre alt und an ihrer schmalsten Stelle weniger als einen Meter breit ist.

Natürlich bildet auch hier der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle. So gibt es einige interessante Museen und historische Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Sehr originell ist zum Beispiel die alte Knopffabrik, in der die Knöpfe noch per Hand hergestellt werden. Die Fabrik ist für Touristen zugänglich und man kann den Handwerkern hier bei der Arbeit über die Schulter schauen. Eine weitere Attraktion sind natürlich die romantischen Bootstouren auf den vielen Kanälen mit klassischem chinesischen Fährmann.

Das Wasserdorf Xitang in China
Blick auf einen Kanal in Xitang

Ursprüngliches Tongli

Das kleine Wasserdorf Tongli 同里 befindet sich in einem Vorort der berühmten Gartenstadt Suzhou in der Provinz Jiangsu. Es ist bekannt für seine hervorragend erhaltene Architektur aus der Kaiserzeit der Ming- (1368–1644) und Qing-Dynastie (1644–1911). Die weißen Gebäude mit ihren schwarzen geschwungenen Ziegeldächern und die alten Brücken strahlen einen bezaubernden Charme aus. Hier kann man gemütlich durch die vielen kleinen Gassen und entlang der Kanäle schlendern und sich die faszinierende Architektur sowie Teehäuser und Souvenirshops anschauen.

Eines der Highlights von Tongli ist der Tuisi-Garten 退思园 „Garten des Rückzugs und der Besinnung“, der sich im Osten der Altstadt befindet. Der Garten diente einst dem pensionierten chinesischen Beamten Ren Lansheng als Ruhesitz. Er wurde im typischen Baustil der Gartenkunst Südchinas erbaut und ist seit dem Jahr 2000 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Hat Sie die Sehnsucht nach verträumten Wasserdörfern gepackt? Besuchen Sie neben klassischen Reisehighlights das Museumsdorf Wuzhen auf dieser 14-tägigen Rundreise:

 

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Für Sie schreibt: Anna Sellmann

Sinologin M.A. | Blog-Redakteurin | Mitarbeiterin im Museum für Ostasiatische Kunst Köln | Dozentin für Chinesisch

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