Kaiserpalast in Peking

Die chinesischen Dynastien im Überblick

China gehört zu den ältesten Hochkulturen dieser Welt. Für das fünfte bis zweite vorchristliche Jahrtausend sind bereits zahlreiche neolithische Kulturen belegt. Auf die frühen Königsfamilien Xia, Shang und Zhou folgte schließlich eine über 2.000 Jahre lange Regierungszeit der Kaiser. Der Ursprung der chinesischen Dynastien lässt sich auf das Jahre 221 v. Chr. datieren.

In der Zeit des Kaiserreichs wechselten sich friedvolle Zeiten mit Einfällen von nomadischen Völkern wie den Mongolen ab und es kam immer wieder zu Zersplitterungen des Großreiches. Wir werfen in diesem Artikel einen Blick auf die chinesischen Dynastien. Was kennzeichnet sie? Welche Errungenschaften und Erfindungen wurden gemacht?

Die Qin-Dynastie 秦朝 (221 v. Chr. – 206 v. Chr.)

Die erste Dynastie des chinesischen Kaiserreiches bildet die Qin-Dynastie. Dem Staat Qin, einem von sieben rivalisierenden Staaten während der Zeit der Streitenden Reiche (475 v. Chr. – 221 v. Chr.), war es gelungen, alle anderen Staaten zu besiegen und das Reich erstmals zu einen. Diese Reichseinigung zählt zu den bedeutendsten Ereignissen der chinesischen Geschichte. Zu den größten Errungenschaften der Qin gehört die Standardisierung der Maße, Gewichtseinheiten und der Währung sowie die Vereinheitlichung der chinesischen Schrift. All das ist auf den ersten Kaiser Chinas zurückzuführen, der die Qin-Dynastie begründet hat – Kaiser Qin Shi Huangdi 秦始皇帝 („Erster erhabener Gottkaiser von Qin“).

Größere Bekanntheit hat dieser allerdings aus anderen Gründen erlangt. Der erste Kaiser von China hat mit dem Bau der legendären chinesischen Mauer begonnen, um das Reich gegen die Xiongnu, die nomadischen Stämme aus dem Norden zu schützen. Zudem hat er ein großes Netz von Kanälen anlegen lassen, das den Transport von Gütern über den Wasserweg von Nord- bis nach Südchina sicherstellte. Somit legte er den Grundstein für ein mächtiges Reich mit gigantischen Ausmaßen.

Nach seinem Ableben hat Qin Shi Huangdi sich in einer 56 Quadratkilometer großen Grabanlage unter dem Schutz einer ganzen Armee bestatten lassen. Die Rede ist hier von etwa 8.000 lebensgroßen Soldaten aus Stein – der sogenannten Terrakotta-Armee. Der erste Kaiser von China war, wie viele andere Kaiser der chinesischen Dynastien nach ihm, besessen vom Traum der Unsterblichkeit. Aus diesem Grund hat er für sein Leben nach dem irdischen Tod alle denkbaren Maßnahmen getroffen, um seinen Machtanspruch über seinen Tod hinaus zu demonstrieren.

Die chinesischen Dynastien: Die Terrakotta-Armee
Die Terrakotta-Armee

Die Han-Dynastie 漢朝 (206 v. Chr. – 220 n. Chr.)

Der Begründer des Han-Reiches war Kaiser Han Gaozu 漢高祖, der als einer von zwei Kaisern einer Bauernfamilie entstammte. Während der Han-Dynastie wurde das Reich zentralisiert und in Provinzen aufgeteilt. Zudem wurde das veraltete Lehenswesen vollständig abgeschafft und es bildete sich ein moderner Beamtenapparat heraus. Der Konfuzianismus, der die Gesellschaftsstruktur in China über Jahrhunderte hinweg prägen sollte, wurde ebenfalls während der späten Han-Dynastie erstmals zur Staatsphilosophie.

Aber auch die Wirtschaft und die Kultur erlebten während der Han-Zeit einen großen Aufschwung. Über die legendäre Seidenstraße kam es erstmals zum Handel von Seide, Lack, Gewürzen, Tee und anderen Gütern. Darüber hinaus gelangte der Buddhismus während der Spätphase der Han-Dynastie über die Seidenstraße nach China. Über Guangzhou etablierte sich ebenfalls ein Seeweg, der vom Süden über den nördlichen Teil Vietnams bis nach Persien führte. In dieser Zeit wurden auch zahlreiche Erfindungen gemacht, von denen die des Papiers um 105 n. Chr. die bedeutendste ist. Als Erfinder gilt Cai Lun 蔡倫, ein Beamter am Kaiserhof der Han.

Die Dynastie hat den sogenannten Han-Chinesen außerdem ihren Namen gegeben. Die Han-Chinesen gelten neben den zahlreichen ethnischen Minderheiten als die „wahren Vorfahren“ Chinas.

Die Sui-Dynastie 隋朝 (581 – 618)

Der erste Kaiser der Sui-Dynastie, Kaiser Wendi 文帝 war es, der China nach über 200-jähriger Zersplitterung erneut einte. Eine wichtige Neuerung während der Sui-Dynastie war das System der chinesischen Beamtenprüfung. Waren die Ämter am Kaiserhof ursprünglich einem adeligen Personenkreis vorbehalten, durfte seit dem Jahr 606 ungeachtet des sozialen Standes jeder an der Beamtenprüfung teilnehmen. Natürlich konnte kaum jemand von niederem Stand eine solch umfangreiche schulische Ausbildung finanzieren, die für das Bestehen der Prüfung unerlässlich war.

Als bedeutend gilt auch der Bau des Kaiserkanals, an dem hauptsächlich Kaiser Yangdi 煬帝, der letzte Kaiser der Sui, beteiligt war. Der 1.800 Kilometer lange Kanal führte von Peking bis nach Hangzhou und ist die längste von Menschenhand geschaffene Wasserstraße der Welt. Sie gehört seit dem Jahr 2014 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die chinesischen Dynastien: Wumen Qiao Bogenbrücke über dem Kaiserkanal
Wumen Qiao Bogenbrücke über dem Kaiserkanal

Die Tang-Dynastie 唐朝 (618 – 907)

Die Tang-Dynastie wird oftmals als das „Goldene Zeitalter“ der chinesischen Dynastien beschrieben. Unbestritten ist diese Regierungsphase in ihrer Bedeutung für Kunst und Kultur. Sie brachte einige der berühmtesten Dichter der chinesischen Geschichte hervor. Nennenswert sind insbesondere Li Bai 李白 und Du Fu 杜甫, die beide Ämter am Kaiserhof bekleideten. Ihre Werke sind von großer Bedeutung für die chinesische Geschichte.

Unter den Tang erreichte die Ausdehnung Chinas enorme Ausmaße. Die Hauptstadt des Reiches war Chang’an 长安, das heutige Xi’an 西安. Mit etwa einer Million Einwohnern war sie zu ihrer Zeit die größte Stadt der Welt. Handwerker, Kaufleute und Händler aus dem Ausland strömten in die Hauptstadt, um an dem florierenden Leben teilhaben zu können. Sie brachten sowohl künstlerische als auch technische und religiöse Neuerungen ins Land. Auch die Exportindustrie blühte. Über die Seewege wurden bereits riesige Schiffsladungen ins Ausland transportiert. Zu den wichtigsten Erfindungen der Tang gehören der Buchdruck, das Porzellan, das Schießpulver, Streichhölzer sowie die Zeitung.

Die enorme Ausdehnung des Reiches wurde den Tang im Jahr 755 in der An-Lushan-Rebellion zum Verhängnis, da sie nicht mehr in der Lage waren, die Grenzen zu kontrollieren. Es folgte eine Zeit langer Aufstände, die schließlich zum Ende der Tang und dem nächsten Wechsel innerhalb der chinesischen Dynastien führte.

Die Song-Dynastie 宋朝 (960 – 1279)

Unter den Song kam es nach 53 Jahren innerer Kämpfe erneut zu einer Wiedervereinigung von Nord- und Südchina. Die Song-Zeit war eine kulturelle Blütezeit, in der zahlreiche Erfindungen gemacht wurden. So wurden zum Beispiel große Eisengießereien errichtet und das Papiergeld erfunden. Eine der wichtigsten Neuerungen war außerdem der Nassreisanbau, der sehr hohe Erträge liefert. Die wirtschaftlichen Aktivitäten verlagerten sich dadurch in den Süden. Es entstanden viele große Hafenstädte, die Bevölkerung wuchs und der Handel blühte.

Die chinesischen Dynastien: Nassreisanbau
Nassreisanbau

Während der Song-Dynastie verloren der Buddhismus und der Daoismus an Bedeutung. An dessen Stelle rückte der Neokonfuzianismus. Dieser ist durch Hierarchien gekennzeichnet und stellt die patriarchalische Ordnung der Gesellschaft in den Vordergrund. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch des Füßebindens. Jungen Mädchen wurden dabei die Füße so abgebunden, dass der Fuß klein blieb. Die sogenannten Lotosfüße entsprachen dem damaligen Schönheitsideal eines Frauenfußes, schränkten die Frauen beim Gehen aber sehr stark ein.

Der Abstieg der Song-Dynastie begann bereits sehr früh. Nachdem der Norden durch die Mongolen geschwächt war und die Anhänger der Song-Dynastie nach Hangzhou flohen, konnten sich die Song noch für etwa 150 Jahre im Süden halten. Die Song-Dynastie endete jedoch mit der Eroberung Hangzhous im Jahr 1279 durch die Mongolen.

Die Yuan-Dynastie 元朝 (1260 – 1368)

Die Zeit der Yuan-Dynastie ist durch die mongolische Fremdherrschaft unter dessen Gründer Kublai Khan bestimmt. Kublai Khan war der erste Kaiser der Yuan-Dynastie und ein Enkel des Dschingis Khans, dem ersten Großkahn der Mongolen. Er ließ an der Stelle des heutigen Peking eine neue Hauptstadt mit dem Namen Dadu 大都 („Große Hauptstadt“) errichten. Über die Seidenstraße soll der Handelsreisende Marco Polo dann im Jahr 1275 nach Dadu gelangt sein. Laut seinen eigenen Reiseberichten weilte er für einen längeren Zeitraum am Hof des Kublai Khan und wurde ein enger Vertrauter des Khans.

Durch die Diskriminierungspolitik der Yuan, die ein vierteiliges Klassensystem einführten, bei dem die Chinesen an unterer Stelle angesiedelt waren, kam es immer wieder zu Aufständen. Während dieser Zeit formte sich das Nationalbewusstsein der Han-Chinesen aus dem Norden Chinas maßgeblich.

Die Ming-Dynastie 明朝 (1368 – 1644)

Da der Großteil der Bevölkerung mit der Herrschaft der Mongolen unzufrieden war, beendete die Bewegung der Roten Turbane, eine Gruppe aufständischer Bauern, die Yuan-Dynastie im Jahr 1368. So nahm die Ming-Dynastie ihren Anfang.

Unter den Ming kam es erneut zu einer Zeit kultureller Blüte, insbesondere was Kunst, Literatur und Kunsthandwerk betrifft. Die chinesische Porzellankunst erreichte zu dieser Zeit einen ersten Höhepunkt. Das berühmte Blau-Weiß Porzellan erfreute sich nicht nur in China, sondern auch an den europäischen Fürstenhöfen sehr großer Beliebtheit.

Die chinesischen Dynastien: Blau-Weiß Porzellan aus Jingdezhen, Szenen aus dem chinesischen Roman: “Das Westzimmer”, Ming- und Qing-Dynastie (Museum für Ostasiatische Kunst Köln)
Blau-Weiß Porzellan aus Jingdezhen, Szenen aus dem chinesischen Roman: “Das Westzimmer”, Ming- und Qing-Dynastie (Museum für Ostasiatische Kunst Köln)

Im Jahr 1421 wurde das heutige Beijing 北京 („Nördliche Hauptstadt“) erstmals unter diesem Namen zur Hauptstadt des Reiches. Der dritte Ming-Kaiser Yongle 永乐 schloss den Bau der Verbotenen Stadt ein Jahr zuvor ab. Von der Verbotenen Stadt aus regierten die chinesischen Dynastien bis zum Ende der Qing das Land.

Die Qing-Dynastie 清朝 (1644 – 1911)

Zum Ende der Ming-Dynastie kam es in China zu großen Bauernaufständen, die letztendlich mit Hilfe der Mandschu niedergeschlagen werden konnten. Dies führte zum Sturz der Ming und die Mandschu gründeten unter der Führung Nurhacis im Jahr 1644 die letzte der chinesischen Dynastien.

Die Blütezeit der Qing-Dynastie fand unter den Kaisern Kangxi 康熙 und Qianlong 乾隆 statt. Beide trieben Kunst und Wissenschaft in besonderem Maße voran. Kaiser Qianlong gilt als der größte Kunstsammler der Menschheitsgeschichte. Er selbst war ebenfalls ein großer Kalligraph und Dichter und soll über 42.000 Gedichte verfasst haben, die er im ganzen Reich verbreiten ließ. Auch die berühmte Peking-Oper wurde durch Kaiser Qianlong bekannt, der zu seinem 80. Geburtstag verschiedene Opern aufführen ließ, woraus sich die Peking-Oper entwickelte.

Das Ende der chinesischen Dynastien

Während das Kaiserreich im Jahr 1759 die größte territoriale Ausdehnung in seiner gesamten Geschichte erreichte, begünstigten ab 1800 innere Schwächen das Vordringen ausländischer Mächte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts neigte sich die Zeit der chinesischen Dynastien nach über 2.000-jähriger Geschichte dem Ende.

Die chinesische Welt verstehen
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Für Sie schreibt: Anna Sellmann

Sinologin M.A. | Blog-Redakteurin | Mitarbeiterin beim Museumsdienst Köln | Dozentin für Chinesisch

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